Aufdecken von Bissverschiebungen
Inhalt:
1. Was ist eine Bissverschiebung?
1. Was ist eine Bissverschiebung?
Wir schenken Dingen, die automatisch gut funktionieren, kaum Beachtung. Daher denken nicht viele Menschen darüber nach, wie sie mit den Zähnen zusammenbeißen, denn dies ist ein von Reflexen gesteuerter Vorgang.
Und trotzdem ist es ein komplizierter Vorgang, denn die Kauflächen unserer Zähne sind komplex geformt und steinhart. Wenn wir zubeißen, hat diese Bewegung einen genau definierten Zielpunkt, in dem sie hart auf den Zähnen anschlägt. Würden wir dieses Ziel beim Zubeißen verfehlen, würden wir falsch auf unseren Zähnen aufkommen und abgleiten – aber wie oft passiert das normalerweise schon?
Unser Körper meistert dieses Problem, indem er den Unterkiefer so zurechthält, dass wir unseren Biss möglichst mühelos mit einer einfachen Schließbewegung treffen können. Ist aber z. B. eine Zahnlücke vorhanden, in die Nachbarzähne mit der Zeit einkippen, so verschiebt sich dabei auch der Biss und der Unterkiefer muss anders gehalten werden, um diesen verschobenen Zielpunkt beim Zubeißen zuverlässig treffen zu können. Bewusst werden wir uns einer solchen Verschiebung nicht, aber sie kann u. U. recht anstrengend werden und zur chronischen Verspannung der Kaumuskeln sowie zur Kompression der Kiefergelenke führen.
Außer, wenn sie z. B. bei einer Zahnbehandlung plötzlich ausgelöst wird, erleben wir eine Verschiebung unseres Bisses also nicht bewusst, spüren aber irgendwann Auswirkungen, wenn es dadurch zur Überlastung von Strukturen kommt. Vielleicht schmerzen Muskeln, möglicherweise aber nicht nur Kaumuskeln, die den Unterkiefer positionieren, sondern z. B. auch Nackenmuskeln. Denn bei unterschied-lichen Kopfhaltungen kommen wir auch unterschiedlich auf unsere Zähne auf und der Körper kann sich dies zunutze machen, um den Biss leichter treffen zu können.
Zumeist verschiebt sich der Biss in einer Weise, bei der die großen Backenzähne ihre Stützfunktion nicht mehr richtig wahrnehmen können. Sie liegen nahe an der Zugrichtung der großen Kaumuskeln und sind mit mehreren Wurzeln massiv im Kieferknochen verankert, sodass sie viel Kraft aufnehmen können. Werden sie aber niedriger, weil sie kippen oder abgeschliffen werden, so würden wir auf den empfindlichen Schneidezähnen aufkommen, die für die Abstützung des Unterkiefers im Biss viel zu schwach sind. Lieber weichen wir denen aus, indem wir den Unterkiefer zurückgezogen halten – auch wenn wir dies nicht bewusst tun und es gar nicht bemerken! Nun stehen die Kiefergelenke komprimiert, zunächst vielleicht nach retral, irgendwann später wahrscheinlich auch vertikal.
2. Wie finden wir mithilfe des FreeBites heraus, ob sich der Biss verschoben hat?
Die Form des FreeBite medium/high ist für die Auflösung solcher Bissverschiebungen optimiert, indem die Bisspolster hinten etwas dicker sind, um die fehlende Abstützung auf den Molaren zu ersetzen. Wir vergleichen einfach die Kieferstellung vor und nach der 5-15 minütigen FreeBite Kauübung. Hierfür gibt es zwei Wege:
- Wir vergleichen, wie sich unsere Zähne im Biss und nach der FreeBite-Übung gegenüber stehen. Hierfür beobachten wir z. B. die Orientierung der Ritzen zwischen den mittleren Schneidezähnen oben und unten zueinander. Oder wir vergleichen das Maß der „sagittalen Stufe“, das ist, wie weit die oberen Schneidezähne jeweils vor den unteren stehen.
- Wir vergleichen den ersten Zahnkontakt vor und nach der FreeBite-Übung. Hierfür halten wir uns aufrecht und blicken geradeaus. Wir öffnen den Mund weit und lassen ihn dann einige Male sachte zugehen, wobei wir auf die erste leichte Berührung achten, die zwischen oberen und unteren Zähnen eintritt. An der Veränderung nach der FreeBite-Übung können wir die Richtung erkennen, aus der sich unser Biss verschoben hat. Kommen wir z. B. spontan nur noch auf den Schneidezähnen auf, so stand unser Unterkiefer ursprünglich etwas weiter vorn und der Biss hat sich nach hinten verschoben. Die Richtung, in die sich unser Unterkiefer nach der FreeBite-Übung verschiebt, ist in aller Regel diejenige, in der ihn die Muskulatur nicht mehr zurecht halten muss und entspannen kann, aber wo häufig die Zähne nicht richtig zusammen passen.
3. Was sind die Konsequenzen?
Bei den meisten Menschen ist der Biss mehr oder weniger verschoben, jedoch können solche Verschiebungen im Biss meist problemlos kompensiert werden. Relevant wird eine Bissverschiebung nur dann, wenn sie einem Problem zugrunde liegt, unter dem wir leiden.
Vielleicht reicht es dann schon aus, wenn wir hin und wieder den FreeBite tragen. Falls dies nicht der Fall ist, mag es besser sein, wenn der Zahnarzt uns eine Aufbiss-Schiene herstellt, mit der wir phasenweise aus der verschobenen Kieferstellung herauskommen. Wie gut eine solche Schiene Bissverschiebungen tatsächlich auflöst, kann man mit der gleichen Vorgehensweise testen, wie unter 2. beschrieben, außer dass man die Kieferstellung bzw. Zahnkontakte statt im Biss auf den eigenen Zähnen mit dem Biss auf die Schiene vergleicht.
Manchmal ist es auch nötig, den Biss beim Zahnarzt bleibend verändern zu lassen, sodass man auch auf den eigenen Zähnen wieder einen Zielpunkt hat, für den der Unterkiefer nicht mehr verschoben gehalten werden muss.